Irgendwo da draußen schwebt ein kleiner “Brian Eno” herum – wer kann das schon von sich sagen? Forscher haben einen Asteroiden nach dem berühmten britischen Musiker benannt. Für die Neuauflage des “Apollo”-Albums wurde Eno Ende Juni beim Wissenschafts- und Kunstfestival “Starmus” in Zürich mit der Stephen-Hawking-Medaille ausgezeichnet. Die Auszeichnung für Wissenschaftskommunikation bekam der Musiker und Produzent für seinen “Beitrag zur Popularisierung der Wissenschaft”.

DW: Welche Erinnerung haben Sie an die Mondlandung von 1969?

Brian Eno: Ich war gerade fertig mit dem Kunststudium und lebte in London, gleich neben meinem alten Malerei-Professor. Wir saßen in seiner Küche und starrten auf den kleinen Fernseher. Als es Abend wurde, stand ein Vollmond am Himmel… Da sind sie jetzt also… Die sind wirklich dort!

Das war ein unglaublicher Moment, in dem sich alles zu verdichten schien. Und natürlich wusste ich, dass das ein historischer Augenblick in der Geschichte der Menschheit war. Obwohl die Apollo-Missionen militärische, technologische und industrielle Projekte waren – sie waren gleichzeitig ein Kunstwerk. Dahinter steckte die Idee: Hey, wir können das schaffen!

Sicht der Erde aus dem All (Reuters/NASA)

Unsere Erde – vom Mond aus gesehen

Wie hat Sie das als Künstler und Musiker beeinflusst?

Ich habe jetzt nicht Hals über Kopf angefangen, Weltraum-Musik zu machen. Aber ich habe damals schon mit elektronischen Instrumenten gearbeitet. Und die Sounds, die ich damit produziert habe, klangen überirdisch. Ich habe mir dabei immer Gedanken über das Universum gemacht, über Galaxien, die Leere des Weltraums. 

Und dann ist mir klar geworden, dass im Universum größtenteils Stille herrscht. Der einzige Ort, an dem es Lärm gibt, ist die Erde. Man braucht nämlich eine Atmosphäre dafür. Wir sind also der Krach im Universum. Soweit wir wissen, gibt es keine andere Lärmquelle – außer uns.

Brian Eno (Imago Images/M. Mencarini)

Brian Eno im Jahr 1980

Wenn Weltraum Stille ist: Wie übersetzt man das in Musik?

Wenn man bei einem Sound einen sehr langen Hall benutzt, klingt das nach Weltraum. Deshalb gibt es all diese Effekte in der Musikgeschichte: “Space Echo” und “Space Chamber”. Aber natürlich gibt es im Weltraum gar kein Echo und keinen Sound.

Wie das Weltall klingt, liegt allein in unserer Fantasie. Wir wissen nur, dass es sehr groß ist. Ich habe dann irgendwann gedacht: Komponieren und Musik zu machen, ist doch eigentlich eine ganz ungewöhnliche – menschliche – Fähigkeit. Warum tun wir das? Das ist schon seltsam. Ich glaube, ein Grund dafür ist, dass wir ausdrücken wollen: Ich bin hier.





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