“Man muss die enormen Schäden am Kulturerbe verstehen. Eine gewaltige Anstrengung des Staates und der ganzen italienischen Gesellschaft ist notwendig, um Venedig zu unterstützen”, erklärte Kulturminister Dario Franceschini bei einem Besuch in der unter Wasser stehenden Lagunenstadt.Gleichzeitig rief er auch zu Spenden auf, um dem “Welterbe Italiens und der Menschheit” zu helfen. 

Auch der Markusdom – eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt – habe Schäden abbekommen. Die Krypta sei erneut mit Wasser vollgelaufen. Der Markusplatz sei komplett gesperrt worden, um die Sicherheit der Menschen nicht zu gefährden, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro. Er rief Touristen und Einwohner zur Vorsicht auf. Schulen und der Dogenpalast blieben ebenfalls geschlossen. Der öffentliche Verkehr in der UNESCO-Welterbestadt wurde ebenfalls eingestellt.

Vor allem starker Wind trieb das Wasser wieder in die Stadt. Der Höchststand vom Mittwoch mit 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel wurde diesmal jedoch nicht erreicht. Der Pegel stieg auf 153 Zentimeter, wobei die Kommune mit einem Spitzenwert von 160 Zentimetern gerechnet hatte. Der Wasserstand sank aber bald wieder, wie das venezianische Gezeitenbüro mitteilte. Rund 70 Prozent der historischen Stadt seien überschwemmt, berichten lokale Medien.

“Venezianer beweinen sich nicht”

In der Nacht zum Mittwoch hatte eine Flut mehr als 90 Prozent der historischen Altstadtfläche unter Wasser gesetzt. wie hoch der gesamte schaden ist, ist noch nicht bekannt. Laut Franceschini seien diese aber nicht irreparabel. “Die Menschen haben alles verloren”, erklärte Brugnaro auf Twitter. Das eindringende Salzwasser mache alles noch viel schwieriger. Denn Salzwasser beschädigt Denkmäler, Marmor, Bücher und Kunstschätze wesentlich stärker als Süßwasser. “Es ist eine Herausforderung für das ganze Land. Die Venezianer beweinen sich nicht selbst, sie arbeiten.”

Venedig Überschwemmung (Reuters/F. Lo Scalzo)

Trotz Überschwemmung: Einige Restaurants und Bars haben noch geöffnet

Die Regierung in Rom hatte am Donnerstag den Notstand für Venedig ausgerufen und 20 Millionen Euro Soforthilfe freigegeben. Auch der ehemalige Innenminister Matteo Salvini besuchte die Stadt und drang darauf, dass endlich ein Flutschutzsystem endlich fertiggestellt werden müsse. Durch die Erderwärmung steigt der Meerespegel, wodurch auch die Hochwasser in Venedig zunehmen.

Seit Jahren wird um das System namens “Mose” gestritten, das eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen sollte. Ein Korruptionsskandal und Bürokratie verzögerten den Bau des milliardenschweren Flutschutzsystems. Die ausfahrbaren Barrieren sollen nun 2021 fertig sein. Andere Städte wie London oder Rotterdam werden mit ihren Flutschutzsystemen immer wieder als Beispiel herangezogen.

jp/jj (dpa)





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