Jürgen Klinsmann saß lange fast stoisch auf seinem Trainerstuhl. Mal grinste er, mal knirschte er mit den Zähnen, mal schaute er in das zu seinen Füßen aufgebaute Tablet, um sich die ein oder andere Szene nochmal anzuschauen. Und manchmal ergaben sich auch ein paar Diskussionen mit seinen Co.-Trainern Alexander Nouri und Markus Feldhoff, in denen es vor allem um das taktische Verhalten seiner Spieler ging. Und zweimal jubelte er auch aus vollem Herzen. 

Der Trainer der Berliner Hertha war mit Leidenschaft dabei bei diesem Auswärtsspiel in Frankfurt, das die Berliner trotz lang anhaltender Führung nur mit 2:2 beendeten. Dodi Lukebakio (30. Minute) und Marko Grujic (63.) erzielten die Tore für die Hertha, Martin Hinteregger (66.)  und Sebastian Rode (86.) konnten für die Hessen ausgleichen. Es war der erste Punkt im zweiten Spiel für den 55 Jahre alten Klinsmann, der den Hauptstadtklub wieder auf den richtigen Weg bringen soll.

Spielerische Defizite, Auftritt als Team 

Der erste Etappensieg eines noch langen Rennens war für Klinsmann zum Greifen nah – und verpuffte doch noch kurz vor dem Schlusspfiff. “Ich denke, wir haben ein packendes Spiel gesehen. Wenn man mal 2:0 führt, hätte man gerne drei Punkte mitgenommen. Das Unentschieden geht in Ordnung”, sagte Klinsmann, der mit seinem Team auf Tabellenplatz 16 verharrt.     

Einen hohen Erinnerungswert aufgrund der spielerischen Leistung der Berliner wird diese Partie selbst bei den eigenen Fans kaum haben. Aber Klinsmann war es an diesem Abend immerhin gelungen, ein Team zu formen, das gemeinsam für diesen Punktgewinn viel Energie und Schweiß opferte. Das, was der Hertha in den vergangenen Wochen und Monaten so oft gefehlt hatte.

Seine Spieler warfen sich in die Zweikämpfe, versuchten den Frankfurtern keinen Spielraum zu gewähren und ihnen damit das Leben schwer zu machen. Sie zogen sich über weite Strecken zurück, bildeten einen kompakten Abwehrblock, an dem sich die Eintracht immer wieder festbiss. Knapp 60 Prozent der Zweikämpfe konnten die Berliner für sich entscheiden, was ein wesentlicher Faktor für den Teilerfolg war.

Defizite bleiben unverkennbar

Dodi Lukebakio (2.v.l.) erzielt das 10 für Hertha BSC (picture-alliance/HMB Media/Heiko Becker)

Dodi Lukebakio (2.v.l.) erzielt das 10 für Hertha BSC

Allerdings überließen sie den Frankfurtern in den letzten 30 Minuten vollständig den Ball und konnten sich kaum mehr befreien. Klinsmanns Spieler versuchten die Partie lediglich über die Zeit zu retten, was in dieser wenig kreativen Form gegen ebenfalls sehr engagierte Frankfurter kaum gut gehen konnte. “Wir wollten dagegen halten. Das man nicht alles verteidigen kann, ist klar”, sagte Hertha-Angreifer Davie Selke und stellte seinem neuen Coach gleich ein gutes Zeugnis aus: “Er motiviert uns sehr gut, er stellt uns auf die richtigen Sachen ein. Es ist eine Entwicklung zu sehen, das gefällt mir.”   

Die Defizite der Herthaner bleiben dennoch offensichtlich. Das Passspiel der Berliner ließ viele Fragen offen, lediglich 73,5 Prozent der gespielten Bälle erreichten den Mitspieler, womit jeder vierte Pass bei den Frankfurtern landete. Beide Gegentreffer resultierten aus Eckbällen – eine der Berliner Schwäche, die sich schon durch die gesamte Saison zieht. 

Und dennoch ließen die Klinsmann-Schützlinge nach diesem knapp verpassten Erfolg den Kopf nicht hängen – und versuchten, das Positive aus dieser Partie zu ziehen. “Wir haben neue Impulse vom Trainer bekommen, die versuchen wir umzusetzen. Wir können stolz auf diese Leistung sein”, sagte Verteidiger Niklas Stark. Auch diese Sichtweise dürfte eine Veränderung in der Herangehensweise unter Klinsmann sein.   





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